Alles Theater.
Eine kleine verschworene Truppe unter der Leitung von Charly Rabanser leistet in Neukirchen am Großvenediger Kulturarbeit auf hohem Niveau. 2007 wurde der m2 Kulturexpress mit dem Salzburger Landeskulturpreis ausgezeichnet.
Begonnen hat alles im Jahr 1980 mit Hans Lerch, dem Leiter des Bildungswerkes Neukirchen. Er animierte eine Handvoll junger Leute zum Theaterspielen und vertraute dem Junglehrer Charly Rabanser die Leitung an. 7 Jahre lang spielte die Theatergruppe Neukirchen bereits mit großem Erfolg im Wirtshaus „Neuhof“ oder tourte mit einem restaurierten Postbus (Kulturexpress) durch die Gegend, als sich 1987 die Möglichkeit bot, im ehemaligen Kogler-Kino eine künstlerische Heimat zu finden. Ein eigener Verein wurde gegründet, der m2 Kulturexpress, und in mühsamer Kleinarbeit entstand das heutige Cinetheatro.

Von Anfang an wurde eine besondere Qualität geboten. Bereits 1985 wagte sich Charly Rabanser an die Inszenierung des zeitkritischen Stückes „Kein Platz für Idioten“ von Felix Mitterer und der Oberpinzgau hatte seinen ersten handfesten Theaterskandal. Trotz der Erfolge verließ sich Charly Rabanser im Laufe der Jahre nicht nur auf sein eigenes Können, sondern suchte immer wieder nach neuen Impulsen. Als er den Wiener Schauspieler und Regisseur Herwig Seeböck nach Neukirchen holte, kam erstmals professioneller Schwung in die Gruppe. Ebenfalls inspirierend war die Zusammenarbeit mit Roland Düringer und dem Stückeschreiber Uli Bree.
Der Tobi-Reiser-Preis war die erste große Anerkennung für die außergewöhnliche Leistung, fern, ferner, am fernsten ab von der Landeshauptstadt ein derartiges kulturelles Niveau zu bieten. „…Charly Rabanser ist eine herausragende schöpferische Kraft, ein unermüdlicher Motor in der Salzburger Kulturlandschaft…von den ersten Produktionen an ist es ihm gelungen, behutsam und unbeirrt Klischees aufzubrechen, Grenzen zu überschreiten, zwischen der Tradition und dem Experiment, der Vergangenheit und der Gegenwart, der Volkskunst und der Moderne zu vermitteln“, meinte Roland Floimair, Obmann des Vereins „Freunde des Salzburger Adventsingens“, anlässlich der Verleihung im Jahr 1996. Und der Volksmusikforscher Walter Deutsch meinte zum selben Anlass: “Theater ist für Charly Rabanser „Menschendarstellung“…Schauspielkunst des hohen Theaters der Stadt wird auf die Ebene der dörflichen Bühne übertragen und in einem subtilen und schwierigen Lernprozess zum ausdrucksstarken Laienspiel umgeformt. Die Qualität dieser „darstellenden Kunst“ erstaunt, ergreift, begeistert, erheitert und rührt zu Tränen. Neueste Theaterstücke werden behutsam an die Möglichkeiten der Spieler und des Raumes angepasst, ohne Verlust der literarischen Sinnhaftigkeit und der darin ausgedrückten Moral.“
Neukirchen ist heute ein wichtiges Zentrum für das Theaterwesen Salzburgs. Die große Herausforderung, meint Charly Rabanser, besteht darin, einen Ganzjahresbetrieb zu führen. „Jede Woche plakatieren, jede Woche Aussendungen machen und Niederlagen durch das Desinteresse des Publikums zu erleiden verlangt – wie das Leben in den Berger – eine große Zähigkeit. Aber dann gibt es diese schönen Momente, wenn man Leuten nach einer Vorstellung an ihrem Gesicht ablesen kann, dass sie gerade etwas Tolles erlebt haben.“
Trotz der breiten Anerkennung und der laut Charly Rabanser „längst fälligen Anerkennung durch das Land“ ist die Kulturarbeit ein zäher Job. „Es ist so weit entfernt von Ballungsräumen schwer, die Energie aufrechtzuerhalten, die notwendig ist, um das hohe Niveau halten zu können“. Dankbar ist er trotzdem: „Auch wenn wir mit Subventionen nicht reich beschenkt werden, finde ich es dennoch beeindruckend, vor allem von der Gemeinde, dass mir die Kulturarbeit hauptberuflich ermöglicht wird. Es ist mein Lebensinhalt und bietet mir die Möglichkeit, kreativ arbeiten zu können und dem Wahnsinn, der derzeit die Welt regiert, etwas entgegenhalten zu können, zu bewirken, dass vielleicht der eine oder andere umdenkt. Vielleicht scheitere ich, aber dann habe ich immer noch die Gewissheit, mich in den Spiegel sehen zu können und mir zu sagen, ich habe es wenigstens versucht“.
